Pressespiegel

 

 

 

Forscher oder Bläser?

Schnuppertag am Gymnasium

Die baldigen Fünftklässler auf Erkundungstour durch das Sarstedter Gymnasium

Sarstedt. Vier Jahre lesen, schreiben, rechnen – schon ist die Grundschulzeit vorüber. Doch wie geht es weiter? Um diese Frage (auch im eigenen Interesse) zu beantworten, veranstaltet das Gymnasium Sarstedt Jahr für Jahr Schnuppertage, in denen die Viertklässler sich schon mal mit der Schule und den auf sie zukommenden Unterrichtsinhalten vertraut machen können.

So auch gestern. Federführend bei der Organisation und Koordination sind die Lehrkräfte Carla Schmidtmann und Tobias Rohloff: „Am ersten Tag sind fast ausschließlich Schüler von der Regenbogenschule hier. Die Kastanienhofschule ist dann am zweiten Tag dran”, sagt Schmidtmann. Nebenher nehmen an dem Kennenlern-Angebot einige Kinder aus den umliegenden Dörfern teil, „das sind aber die Wenigsten.“ Etwa 70 Viertklässler sind es, heute kommt noch einmal eine ähnlich große Gruppe.

Um die neugierige Kinderschar ansatzweise unter Kontrolle zu bekommen, wird sie zunächst in mehrere Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt zwei Patenschüler aus dem achten oder neunten Jahrgang an die Seite gestellt, die für Fragen und zur Orientierungshilfe bereit stehen.

Zunächst einmal steht eine allgemeine Schulführung auf dem Plan. Dabei werden alle wichtigen Räume und Orte vom Lehrerzimmer über die Bibliothek bis zur Sporthalle besichtigt. Danach steht der Besuch von zwei Unterrichtsangeboten an, zwischen denen sich die angehenden Fünftklässlerinnen späteren Verlauf dauerhaft entscheiden müssen: Französisch oder Latein? Forscher oder Bläser? Die Sprachen-Frage hat immerhin noch ein Jahr Zeit, die dritte Fremdsprache wird erst ab der sechsten Jahrgangsstufe gelehrt. Ob die Kinder Forscher oder Bläser (oder keins von beidem) sein möchten, ist allerdings schon bei der Anmeldung relevant. Für die Wochenstunden macht es keinen großen Unterschied: Im Falle der Wahl für einen der beiden Themenzweige fallen maximal ein bis zwei zusätzliche Unterrichtsstunden an. Die Verteilung der neuen Schüler auf die Forscher- oder Bläser-Klassen erfolgt aber Jahr für Jahr unterschiedlich. „Das hängt von den persönlichen Interessen und Vorlieben ab. Manche spielen schon ein Instrument und sind daher bei den Bläsern gut aufgehoben“, sagt Rohloff. Bei den Forschern seien eher die praktisch denkenden und technisch versierten Kinder.

Um nicht gleich mit der Tür ins Schulhaus zu fallen, fällt der Probeunterricht scheinbar simpel aus. Die Forscherklasse bastelt unter der Leitung von Physik-Lehrer Robert Kubis kleine Sprungfrösche aus Papier- entweder aus kleinem dicken Papier» oder größeren dünnen Seiten. Was sich erst einmal einfach anhört, hat es in sich, denn die dreiseitige Anleitung ist nicht für Anfänger gedacht.  „Ich verstehe das nicht” und „Ich brauche Hilfe“ schallt es durch das Forschungszimmer, während Kubis und die Patenschüler umhereilen und so gut es geht helfen. Besonders eifrige Bastler verzieren die kleinen Papier-Amphibien noch mit grünen Stiften, bevor es an den Tischen zum Wetthüpfen kommt. Denn das Ganze hat einen wissenschaftlichen Hintergrund: „Welche Papiersorte haltet ihr denn für geeigneter, um einen Sprungfrosch zu basteln?” Nach kurzem Diskutieren bekommen die Kinder die Lösung heraus. Falls es sie überzeugt hat, den Forscher-Zweig zu wählen, warten auf sie in den nächsten Jahren noch Projekte. „Wir stellen zum Beispiel noch selber Papier her, gehen wissenschaftlichen Fragen nach und machen in der sechsten Klasse einen kleinen Löt-Führerschein „, sagt Kubis.

Weiter geht es für die Besuchsgruppen zu den Bläsern in den Musik-Trakt, in dem die aktuelle sechste Klasse eine Orchester-Version vom „Fluch der Karibik“ –Thema zum Besten gibt. Danach teilen sie die Grundschüler auf, um die Holzblas- und Blechblasinstrumente oder das Schlagzeug auszuprobieren. In der Schulzeit hätten sie an jedem Instrument ein paar Minuten Zeit, ehe gemeinsam mit einer Lehrkraft auf Grundlage der Eignung eine Wunschliste für das favorisierte Instrument erstellt wird. Für eine monatliche Gebühr von 38 Euro inklusive Versicherung leihen sich die Kinder dann ihr eigenes Instrument aus.

Zum Abschluss treffen alle Gruppen wieder zusammen. Auf kleinen Blättern schreiben alle Wünsche auf, die sie an die Schule, die Mitschüler oder die Lehrer haben. Bei der Einschulung werden die Themen dann noch einmal aufgegriffen und besprochen. „Was hat euch denn heute am Besten gefallen? “, fragt Rohloff in die offene Runde. Die meisten Schüler entscheiden sich zwischen einem der beiden Schnupperkurse: Forscher oder Bläser. Viele von ihnen sind schon eingeschrieben und angenommen, einige sind noch unentschlossen. Für sie war es eine informative Fortsetzung des Elternabends im Februar – nur dieses Mal durften sie selber mitreden und ausprobieren. Als letzten Trumpf der Überzeugung wird am Ende für alle Pizza in der Mensa angeboten. Und diese Entscheidung fiel keinem der Viertklässler besonders schwer.

Quelle: Kleeblatt (08.03.2018

 

 

Shakespeare mit MacBook:

Moderne Fassung einer alten Komödie

White Horse Theatre im Gymnasium Sarstedt zu Gast/

Englischsprachige Aufführung soll Schüler zum Lernen motivieren

Sarstedt. „Wenn ich ein Handy klingeln höre, schleppe ich die verantwortliche Person persönlich hier auf die Bühne. Und jetzt viel Spaß. “ Mit diesen Worten eröffnet Eleanor Kingsley in feinstem britischen Englisch das Theaterstück.

Seit knapp 40 Jahren tourt das White Horse Theatre durch Deutschland und Europa und fährt in Schulen abgeänderte Theaterstücke auf, um Kindern und Jugendlichen die englische Sprache spielend näher zu bringen.

An diesem Dienstagvormittag steht im Sarstedter Gymnasium Shakespeares Stück „Two Gentlemen in Verona“ auf dem Programm – als zweite Vorstellung des Vormittages, da nicht alle Zuschauer auf einmal in die Mensa passen. Die britische Schul-Atmosphäre ist schnell geschaffen: grüne Uniform-Pullover, Schulröcke, der Akzent und eine Prise britischer Humor. Damit es für das Publikum nicht zu lyrisch und dramatisch aufgeblasen wirkt, wurde Shakespeares Stück ein wenig aufpoliert und modernisiert. Statt mit Federn wird auf einem Mac-Book geschrieben, und zwischendurch wird auch mal ein Selfie gemacht oder moderne Pop-Songs als Liebes-Balladen umfunktioniert.

Und es kommt an bei den Kindern. Statt langen ausladenden Sätzen wurde die Sprache vereinfacht und zeitgemäß angepasst, damit alle Zuschauer problemlos folgen können. Zur Belohnung gibt es am Ende für die vier Schauspieler eine große Runde Applaus, und für die Schüler eine Fragrunde, in der sie ihr Englisch testen können. Von „Was ist euer Lieblingstier? “ über „Wo kommt ihr her? “ bis „Wie gut könnt ihr Deutsch?” ist alles dabei. Bei Letzterem kann James Bunyon punkten: Während die anderen nur ein paar Brocken aus ihrer kurzen Auftrittszeit in Deutschland rezitieren, spricht der 34-Jährige flüssig Deutsch – immerhin ist er erst vor Kurzem nach Köln gezogen. Er ist der Älteste der Akteure, seine Kollegen sind alle 25 Jahre alt. Dennoch mache es ihnen zusammen großen Spaß, das Programm durchzuziehen. „Seit August sind wir unterwegs, von Bonn aus in Richtung Norden.“ Seitdem haben sich in der Besetzung nur beide Frauen geändert: Eleanor und die Australierin Dominique stießen hinzu – James und Devane Boyd blieben dabei.

Nach den beiden Auftritten bauen sie gemeinsam das Bühnen-Set ab. Für sie geht es nun weiter zur nächsten Station in der Region Hannover, um dort Schüler für die englische Sprache zu begeistern.

Quelle: Kleenblatt (21.02.2018)

„Hilfe, die Herdmanns kommen”

Genial, grandios, saustark – die Superlative der Besucher waren unerschöpflich, um die Begeisterung über die Aufführung der Theater AG der Klassen 6-12 des Gymnasiums auszudrücken. In der Tat hatte Silke Gehrkens mit ihrer AG ein wahrhaft begeisterndes Stück auf die Bühne gebracht. Mit „Hilfe, die Herdmanns kommen!” zauberten die Schüler/-innen in der vergangenen Woche in den drei Vorstellungen bereits vorzeitig eine zugegebenermaßen besondere Weihnachtsatmosphäre in den Sarstedter Stadtsaal. Waren bei der Premiere am Mittwoch noch einige Plätze frei, hatte sich wohl für die folgenden Vorstellungen herumgesprochen, dass man diese Aufführung einfach gesehen haben muss. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag gelangten die Kapazitäten des Stadtsaals angesichts des Zuschauerstroms an ihre Grenzen. Die Erwartungen der Besucher wurden dabei mehr als erfüllt.

ln der Geschichte Barbara Robinsons mischen die Herdmanns, fünf (oder sind es vielleicht doch sechs oder sieben?) Kinder aus einer sozial schwachen Familie, das alljährliche Weihnachts-Krippenspiel der Gemeinde auf, indem sie die alte, angestaubte Weihnachtsgeschichte in ihre Welt transportieren, die Welt von Hartz lV und der Idee, dass Maria einen Schinken besser gebrauchen könne als Myrrhe und es eigentlich Herodes sei, der getötet werden müsste, welcher im Stück dann gleich doppelt vorhanden ist. Von einer feindlichen Übernahme sprechen indes die Kinder der biederen Familie Schnittbaum, die bisher die Hauptrollen des Krippenspiels besetzt hielten. Die Herdmanns interpretieren die Weihnachtsgeschichte nun völlig neu, aus der Perspektive von Kindern, die sich durch das Leben schlagen müssen, und zeigen damit die Weihnachtsbotschaft aus einem ganz neuen Blickwinkel. Als der Pfarrer, gespielt von Nick Stachan, einen Weihnachtsgottesdienst mit Mitsingen abhält, und bei dem Lied „Ihr Kinderlein kommet“ tatsächlich auch die meisten der Zuschauer mit einstimmen, kommt trotzdem, wenn auch etwas verfrüht, tatsächlich schon ein wenig Weihnachtstimmung im Stadtsaal auf. Schließlich reißen die chaotischen Herdmanns mit ihrem Herbergen-Rap auch die letzten Zweifler von den Kirchenbänken. Klar und deutlich kommt auch die Ansage von Maria alias Hanna Habekost:„He, hier ist ein Kind und das braucht vor allem erst einmal Ruhe und für die nächsten Jahre Zeit, ein Kind zu sein!“ Die jungen Darsteller spielten ihre Rollen sehr überzeugend, laut und chaotisch kamen die Herdmanns daher und schockierten durch ihre laute und deftige Sprache, eher spießig gab sich hingegen Familie Schnittbaum, obwohl auch bei ihnen nicht alles eitel Sonnenschein ist. Schule, Kirche und Sozialamt sind ganz offensichtlich mit den Problemen der Herdmanns schlichtweg überfordert. So komisch und unsentimental das Stück auch auf den ersten Blick erschien, regte es doch auch zum Nachdenken an. Letztendlich gewinnt das Fazit des Stücks „Jedes Kind hat das Recht, in Ruhe ein Kind zu sein“ gerade heute in einer mehr und mehr leistungsorientierten Gesellschaft immer mehr Bedeutung, denn unabhängig von Herkunft, Religion und Plänen der Eltern sollte ein Kind vor allem erst einmal Kind sein dürfen.

Die Begeisterung der Zuschauer nach den Vorstellungen kannte keine Grenzen. Mit tosendem Applaus und Standing Ovations belohnten sie die jungen Schauspieler für ihre Leistung. Silke Gehrkens selbst dankte neben den Akteuren, die eineinhalb Jahre lang zusätzlich zu ihren schulischen Anforderungen geprobt und Texte gelernt hätten, ganz besonders Kalle Auer, der ihr quasi über Nacht „mal eben schnell zwei Kirchenbänke gebaut hat“ und auch sonst bei allem, was es (auf) zubauen gab, zur Stelle war, sowie Oberstufenschüler Niklas Jentzsch, der mit professioneller Bühnentechnik für perfekte Beleuchtung und Special Effects sorgte. „Auch das ist Schule!“ hob Silke Gehrkens in einem flammenden Statement zum Ende der Vorstellung angesichts der Debatte, die AGs zu streichen, um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen, hervor. „Ich möchte nicht nur Deutsch, Mathe oder Werte und Normen unterrichten. Auch das ist für mich Bildung und so etwas darf nicht vom Plan gestrichen werden”, forderte sie voller Herzblut und bekam auch dafür einen großen beifälligen Applaus der Zuschauer.

Quelle: Kleeblatt (23.11.2017)